Die Geschichte des Hallschlags

2500 - 300.000 Jahre v. Chr.,
Altsteinzeit
Knochenfunde und Steinwerkzeuge von Menschen sowie Reste eiszeitlicher Fauna fand man in den 1980er Jahren in den Travertinsteinbrüchen Lauster und Haas, im heutigen Travertinpark. Diese Funde sind 300.000 Jahre alt und zeugen vom "ersten Picknick Stuttgarts".
5500 - 2500 v. Chr.,
Jungsteinzeit
Reste mehrerer Siedlungen verschiedener Zeiträume (u.a. Bandkeramische Kultur, Schussenrieder Kultur) - Auf der Steig, z.T. unter dem Römerkastell (Ausgrabungen 1924)
2500 - 1200 v. Chr.,
Bronzezeit
Zahlreiche Gräber verschiedener Zeiträume - Auf der Steig, Sparrhärmlingweg, Straße Am Römerkastell
1200 - 750 v. Chr.,
Urnenfelderzeit
Brandgräber und Siedlungsreste - Auf der Steig
750 - 120 v. Chr.,
Hallstatt-Latenezeit
(Keltische Epoche)
Ein großer Grabhügel im Kreuzungsbereich Straße Am Römerkastell - Straße Hallschlag, z.T. unter den römischen Kastellmauern, ein kleines Gräberfeld Auf der Steig, Siedlungsreste auf der Altenburg.
90 bis 260 n. Chr.,
Römische Zeit
Kastell für 500 Reiter als zentraler militärischer Stützpunkt für den mittleren Neckarraum, bedeutender Straßenknotenpunkt, ausgedehnte Zivilsiedlung mit Handwerkerviertel und großem Töpferbezirk (Funde von zahlreichen Töpferöfen), große Brandgräberfriedhöfe an den Ausfallstraßen. Kastell in Holz-Erd-Bauweise, ab 100 n.Chr. Ersatz durch ein erweitertes Steinkastell. Es wurde unter Kaiser Domitian gebaut und übertraf mit einer Größe von 3,74 ha die bekannte Saalburg im Taunus. Um 160 n. Chr. Verlegung des Kastells an den Obergermanischen Limes, die Zivilsiedlung bleibt zunächst bestehen. 260 n. Chr. bereiteten die Alamannen dem römischen Leben in der gesamten Region ein Ende.
Entdeckung des Kastells und arch. Untersuchungen ab 1894.
ab dem 5. Jhd. n. Chr.,
Alamanische Zeit
Gräber in der Weckherlinstraße, Einzelfunde im Kastellbereich.
Ende 6. Jhd.,
Fränkische Zeit
Vermutlich schon damals entstand der älteste erhaltene Begräbnisplatz in Stuttgart - der Steigfriedhof, der zusammen mit der Urkirche St. Martin auf der Altenburg von den Franken eingerichtet wurde.
Am Neckarrand stand mit der Altenburg der älteste Teil Bad Cannstatts und Stuttgarts.
ab 1330 Bad Cannstatt erhält durch "Ludwig der Byer" Stadtrechte. Die Dörfer Altenburg (auf der Höhe) und Brie am linken Neckarufer sind immer noch selbstständig. 1500 wurde die Martinskirche bei Altenburg abgebrochen und 1516 in Brie wieder aufgebaut.
15. Jhd. Aus Überlieferungen ist bekannt, dass das Gebiet des heutigen Stadtteils Hallschlag im 15. Jahrhundert Hallschlatterweg hieß. "Hal" steht im keltischen für Sulz und "Schlatt" für ausgetrockneter Sumpf.
19. Jhd. Auf der Gemarkung Münster werden immer wieder kleine Ziegeleien gegründet. Der zur Herstellung notwendige Lösslehm wurde in unmittelbarer Nähe abgebaut. Die Ziegelei Höfer (später Süddeutsche Ziegelwerke Stuttgart) befand sich zwischen der heutigen Löwentor- und der Bottroper Straße.
1873 Es fanden die ersten Beisetzungen auf dem Israelitischen Friedhof auf der Steig statt. Die Grabsteine spiegeln die Bedeutung der Jüdischen Gemeinde in Cannstatt im 19. und 20. Jahrhundert wider. Neben Fabrikanten und Pferdehändlern wurde hier auch eine Großmutter Albert Einsteins (Jette Koch) bestattet.
1902 bis 1984 Steinbruch Lauster (Travertin): die Firma hat im 20. Jhd. durch Ideen und Erfindungen Pionierarbeit für die fortschrittliche Steingewinnung geleistet.
1908 bis 1919 Errichtung einer Dragonerkaserne (Reiterkaserne) mit dazugehörigem Lagerdorf (auf den Fundamenten des Römerkastells).
ab 1915 Die Altenburgschule wird ihrer Bestimmung übergeben. Es ist die erste Schule im Stadtteil für die Kinder der Neckarvorstadt und des Hallschlags.
1916 bis 1988 Steinbruch Haas (Travertin)
ab 1919 Das Gebiet an der Altenburg wird durch private Bauinitiativen als erstes der Viertel im Stadtteil Hallschlag besiedelt.
1921 bis 1931 Aufgrund von Wohnungsnotstand nach dem ersten Weltkrieg entstanden Wohnhäuser in kostensparender und standardisierter Bauweise.Der Hallschlag sollte Vertriebenen, Flüchtlingen und Kriegsheimkehrern eine Heimat bieten. Die älteren Gebäude wurden von Paul Schmitthenner geplant, einem Hauptvertreter der konservativen Stuttgarter Architekturschule. Unter seiner Leitung entstand 1933 auch die nahegelegene Kochenhofsiedlung (als Gegenmodell zur modernen Weissenhofsiedlung des Werkbundes).
1922 bis 1997 Steinbruch Schauffele (Travertin)
ab 1941 500 Wohnungen unter den damaligen Aspekten des sozialen Wohnungsbaus entstehen. Der soziale Wohnungsbau wurde in der Hallschlagsiedlung nördlich "Auf der Steige" bis in die 1960er Jahre fortgesetzt.
ab 1945 Nutzung der Reiterkaserne durch die USA als Truppenübungsplatz (McKee-Baracks und Hauptquartier des amerikanischen Roten Kreuzes für Europa)
ab den 1960er Jahren Erste Modernisierungen von Wohnungen im Stadtteil.
1970er Jahre Der Stadtteil wird in das Bund-Länder-Modernisierungsprogramm aufgenommen.
1960er und 1970er Jahre Der Daimler-Benz-Konzern baut zwei Hochhäuser mit einem Ladenzentrum und mehrere Reihenhäuser mit insgesamt ca. 1.200 Wohnungen.
1969 Großbrand in der Zuckerfabrik.
1978 Die Initiative "Arbeiterinnen Selbsthilfe e.V." hat in der "alten Baracke" in der Rostocker Straße einen Gebrauchtwarenmarkt ins Leben gerufen. Es wurde außerdem eine Kinderbetreuung angeboten. Beides entwickelte sich bis 1980 zum pädagogisch betreuten Abenteuerspielplatz - dem heutigen Aktivspielplatz Hallschlag, Dracheninsel e.V. - weiter. Seit 2004 steht auf dem Platz der ehemaligen Baracke ein großes Spielhaus.
1992 Abzug der amerikanischen Streitkräfte aus dem Römerkastell.
ab 1992 Förderverein ehrenamtliche Gemeinwesenarbeit Hallschlag e.V. entwickelt im Gebäude Am Römerkastell 73A (ehemaliges Kasernengebäude) ein Wohnprojekt (Einzug 1996). Die Stadtteil-Initiative "Hallschlag 2000" legt ein überzeugendes Nutzungskonzept für ein Kinderhaus und ein Nachbarschaftstreff vor, das "Nachbar" wird 1999 eröffnet.
2001 Teilerwerb des Areals Römerkastell durch MKM Römerkastell GmbH. 2008: Masterplan und Nutzungskonzept für das Gelände, 2012 Beschluss des Bebauungsplans für das Medien- und Stadtteilzentrum Römerkastell.
2007-2015 Hallschlag im Bund-Länder-Programm Soziale Stadt mit vielen städtebaulichen und sozialen Projekten und Initiativen zur Aufwertung des Stadtteils: Neugestaltung des Travertinparks sowie von Straßen und Plätzen, umfassende Modernisierungs- und Sanierungsmaßnahmen der Wohngebäude (teilweise Neubau), Bau der Stadtbahn U12 sowie zahlreiche soziale Projekte (u.a. Weiterentwicklung des Nachbarschaftstreff zum "FORUM 376") , die das Miteinander und Zusammenleben der Bewohnerinnen und Bewohner aus unterschiedlichen Nationen im Hallschlag stärken und fördern.

Garten-, Friedhofs- und Forstamt der Landeshauptstadt Stuttgart: Die Entstehung, Geschichte und Neugestaltung des Travertinparks im Hallschlag (Info-Tafeln als PDF)

Quellen:
Voruntersuchung zur Sozialen Stadt 2006, Homepage Stadt Stuttgart, wikipedia, Garten-, Friedhofs- und Forstamt: Flyer zum Travertinpark, MKM Römerkastell: Plakate zur Geschichte des Römerkastells, W. Joachim, Stadtteilzeitung Hallo Hallschlag


Die Geschichte des Hallschlag kann weit zurück datiert werden: Bereits von etwa 90 bis 150 n. Chr. stand hier ein römisches Kastell. Auf dessen Fundamenten wurde ab 1908 eine Dragonerkaserne mit dazugehörigem Lagerdorf errichtet, in der nach dem zweiten Weltkrieg amerikanische Streitkräfte stationiert waren. Später hat man lange keine konkreten Nutzungsbestimmungen für den bis heute Römerkastell genannten Gebäudekomplex gefunden. Heute beherbergt es ein Film-, Musik- und Medienzentrum, ein Restaurant, eine Videothek und höherwertige Wohnungen.
Neben dem Römerkastell – der Name ist heute noch auf dem Stadtplan zu finden – ist der Hallschlag durch seine allesamt im Rahmen des sozialen Wohnungsbaus errichteten Wohngebäude geprägt.

Das Gebiet an der Altenburg wurde durch private Bauinitiativen als erstes der Viertel im Stadtteil Hallschlag besiedelt. Als in Stuttgart nach dem Ende des ersten Weltkrieges Wohnungsknappheit herrschte, wollte man diesem Notstand mit möglichst einfachen, schnellen und günstigen baulichen Maßnahmen entgegen wirken. Man fand auf der fast ebenen Hochplateaulage des Hallschlags ideale Vorraussetzungen für großflächigen Wohnungsbau. Die ersten Bauvorhaben wurden in den Jahren zwischen 1921 und 1931 verwirklicht. Auf einem 10,5 ha großen Gelände wurden, aufgeteilt in acht eigenständige städtische Bauvorhaben, rund 1000 Wohnungen neu erstellt. In den Gebieten "Am Römerkastell“ und "Auf der Steig" wurde in drei Bauabschnitten die Hallschlagsiedlung realisiert. Diese 4 ha große Fläche sollte Flüchtlingen und Kriegsheimkehrern eine Heimat bieten. Aufgrund der Bevölkerungsstruktur von Niedrigverdienern und den Richtlinien des sozialen Wohnungsbaus beschloss man eine kostensparende, standardisierte Bauweise.

1941 wurden nochmals 500 unter damaligen Gesichtspunkten "geräumige" Drei- und Vierzimmerwohnungen errichtet. Dadurch hatte man "für die breite Schicht der werktätigen Bevölkerung" ausreichend Wohnraum geschaffen, so der damalige Oberbürgermeister Karl Strölin.
Der soziale Wohnungsbau wurde in der Hallschlagsiedlung nördlich der Straße "Auf der Steig" bis in die 1960er Jahre fortgesetzt. Ab dieser Zeit betrieb man auch die ersten Modernisierungen, und in den 1970er Jahren wurde der Hallschlag in das Bund-Länder-Modernisierungsprogramm aufgenommen. In Folge dessen wurden Duschen und Gasetagenheizungen eingebaut und einzelne Kleinwohnungen zusammengelegt, um Wohnfläche für Familien zu schaffen. Direkt nördlich angrenzend an die Hallschlagsiedlung baute der Daimler-Benz-Konzern in den 1960er und 1970er Jahren zwei Hochhäuser mit einem Ladenzentrum und mehrere Reihenhäuser mit insgesamt rund 1200 Wohnungen.

Die Gebäude in der Hallschlagsiedlung sind ausschließlich durch den sozialen Wohnungsbau entstanden und gehören heute, bis auf ein paar wenige Ausnahmen, der SWSG (Stuttgarter Wohnungs- und Städtebaugesellschaft mbH). Die Struktur der Gebäude ist durch eine unverkennbare Monotonie geprägt. Zwar wurden in den vergangenen Jahren viele Gebäude saniert, aber dennoch sind immer noch viele veraltet und stark modernisierungsbedürftig. Ein besonderes Merkmal der Siedlung sind aber auch die stark durchgrünten großen Freiflächen mit dem üppigen Grünbestand und den vielen großen, alten Bäumen.